von Lisa Seidel (Psychologin M.Sc. & Autorin)
Einleitung
Psychische Gesundheit ist eine essenzielle Grundlage für erfolgreiches Lernen und die allgemeine Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dennoch wird psychologische Bildung in Schulen oft vernachlässigt. In diesem Artikel werden die Gründe für das Fehlen psychologischer Bildung im Schulcurriculum analysiert und die potenziellen positiven Auswirkungen einer Integration aufgezeigt.
Warum fehlt psychologische Bildung in der Schule?
Es gibt mehrere Gründe, warum psychologische Bildung in den meisten Schulsystemen nicht systematisch verankert ist:
- Fokus auf klassische Fächer: Lehrpläne sind stark auf traditionelle Kernfächer wie Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen ausgerichtet, während psychologische Inhalte als optional oder zweitrangig betrachtet werden (Hattie, 2015).
- Mangelnde Ausbildung von Lehrkräften: Viele Lehrkräfte fühlen sich nicht ausreichend geschult, um psychologische Themen in den Unterricht zu integrieren (Weare & Nind, 2011).
- Gesellschaftliche Stigmatisierung: Psychische Gesundheit wird in vielen Gesellschaften immer noch stigmatisiert, was dazu führt, dass psychologische Bildung nicht als essenziell angesehen wird (WHO, 2022).
- Fehlende Ressourcen: Schulen sind oft unterfinanziert und haben nicht die Kapazitäten, zusätzliches Personal oder Programme für psychologische Bildung zu implementieren (OECD, 2021).
Vorteile einer psychologischen Bildung in der Schule
Die Integration psychologischer Bildung in den Schulalltag bietet zahlreiche Vorteile für Schüler*innen, Lehrkräfte und die Gesellschaft insgesamt:
- Förderung emotionaler Intelligenz: Kinder lernen, ihre eigenen Emotionen besser zu verstehen und angemessen auf soziale Interaktionen zu reagieren (Goleman, 1995).
- Prävention psychischer Erkrankungen: Frühes Wissen über mentale Gesundheit kann das Risiko für Depressionen und Angststörungen senken (Durlak et al., 2011).
- Bessere Stressbewältigung: Schüler*innen entwickeln Strategien zur Bewältigung von Prüfungsangst und schulischem Druck (Brackett et al., 2012).
- Verbesserte schulische Leistungen: Studien zeigen, dass Schüler*innen mit hoher emotionaler Kompetenz bessere schulische Leistungen erbringen (Zins et al., 2004).
Wie kann psychologische Bildung erfolgreich integriert werden?
Um psychologische Bildung effektiv in Schulen zu etablieren, sollten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:
- Curriculare Anpassungen: Psychologische Bildung sollte als eigenständiges Fach oder als fester Bestandteil anderer Fächer integriert werden (Greenberg et al., 2003).
- Fortbildungen für Lehrkräfte: Pädagog*innen sollten geschult werden, um psychologische Themen kompetent vermitteln zu können (Weare & Nind, 2011).
- Kooperation mit Psycholog*innen: Externe Fachkräfte sollten regelmäßig Workshops und Beratung in Schulen anbieten (WHO, 2022).
- Interaktive und altersgerechte Methoden: Methoden wie Rollenspiele, Gruppendiskussionen und digitale Lernformate sollten genutzt werden, um das Interesse der Schüler*innen zu fördern (Durlak et al., 2011).
Fazit
Psychologische Bildung in Schulen ist essenziell für die Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenzen sowie zur Prävention psychischer Erkrankungen. Trotz aktueller Herausforderungen gibt es zahlreiche Strategien, um psychologische Bildung erfolgreich in das Schulsystem zu integrieren. Langfristig kann dies zu einer gesünderen Gesellschaft mit weniger psychischen Belastungen und besseren sozialen Fähigkeiten führen.
Literaturverzeichnis
Brackett, M. A., Rivers, S. E., & Salovey, P. (2012). Emotional intelligence: Implications for personal, social, academic, and workplace success. Social and Personality Psychology Compass, 6(2), 88-103.
Durlak, J. A., Weissberg, R. P., Dymnicki, A. B., Taylor, R. D., & Schellinger, K. B. (2011). The impact of enhancing students’ social and emotional learning: A meta-analysis of school-based universal interventions. Child Development, 82(1), 405-432.
Goleman, D. (1995). Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ. Bantam Books.
Greenberg, M. T., Weissberg, R. P., O’Brien, M. U., Zins, J. E., Fredericks, L., Resnik, H., & Elias, M. J. (2003). Enhancing school-based prevention and youth development through coordinated social, emotional, and academic learning. American Psychologist, 58(6-7), 466-474.
Hattie, J. (2015). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement. Routledge.
OECD. (2021). Mental Health and Well-being in Schools. OECD Publishing.
Weare, K., & Nind, M. (2011). Mental health promotion and problem prevention in schools: What does the evidence say? Health Promotion International, 26(S1), 29-69.
World Health Organization (WHO). (2022). World mental health report: Transforming mental health for all. WHO Publishing.
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