Depressionen im Kindesalter

Depressionen im Kindesalter

Häufigkeit, Symptome und das Buch „Freddy und die schwarzen Wolken“

Von Hannah Marie Dressler, Psychologin M.Sc., 18.Oktober 2023

 

Die Verbreitung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen stellt mit Sicherheit eine globale Herausforderung dar, wie von Reilly und Kollegen (2018) betont wird. In diesem Kontext verfolgt der MoonWalker Verlag das Ziel der frühzeitigen Prävention und Förderung der psychischen Gesundheit durch die Bereitstellung von altersgerechter Literatur. 


Ein Beispiel dieses Engagements präsentiert das Buch “Freddy und die schwarzen Wolken” der Autorin Kathleen Prußok (Erscheinungsdatum), welches speziell für 10-Jährige konzipiert wurde und sich auf einfühlsame und kindgerechte Weise mit dem sensiblen Thema Depressionen auseinandersetzt. In diesem Artikel möchten wir die Relevanz des Themas Depressionen bei Kindern verdeutlichen, einige beispielhafte Symptome erläutern, sowie das Konzept von “Freddy und die schwarzen Wolken” vorstellen.

1. Können Kinder Depressionen haben?

Emotionen wie Kummer, Reizbarkeit und Traurigkeit, welche in wissenschaftlichen Studien als mögliche Symptome von Depressionen betrachtet werden, gehören zur normalen Gefühlswelt eines Kindes und sind nicht notwendigerweise klinisch relevant (Crnic & Lin, 2021). Es besteht allerdings ein fachlicher Konsensus darüber, dass Depressionen schon im Kindesalter erlebt und diagnostiziert werden können (Gotlib & Hammen, 2009).

Die Prävalenz von Depressionen im Kindesalter wird auf einen Bereich von 0,4% bis 2,5% geschätzt (Son & Kirchner, 2000; Grover & Avasthi, 2019), bei 12-Jährigen sogar schon auf 5% (Selph & McDonagh, 2019). Darüber hinaus verdeutlicht die jüngste Studie von Ludwig-Walz und ihren Kollegen (2022), dass während der COVID-19-Pandemie ein Anstieg in der Verbreitung depressiver Symptome bei Kindern und Jugendlichen festgestellt wurde. 

2. Warum ist es wichtig, die Anzeichen von Depressionen im Kindesalter frühzeitig zu erkennen?

Charles & Fazeli (2017) heben hervor, dass auf depressive Symptome bei Kindern geachtet und reagiert werden sollte, da Depressionen im Kindesalter erhebliche Auswirkungen auf die psychosoziale Entwicklung haben können. Ein frühzeitiger Beginn dieser Erkrankung gehe oft mit ungünstigeren Langzeitergebnissen einher und könne zu einer anhaltenden psychischen Belastung bis ins Erwachsenenalter führen. 

Auch Grover und Avasthi (2019) unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Depressionen in jungen Jahren zu erkennen, um das Risiko einer chronischen Verlaufsform zu mindern. Sie legen besonderen Augenmerk auf die Tatsache, dass Depressionen im Kindesalter mit einer Verschlechterung schulischer Leistungen, einem erhöhten Risiko von Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie einer Beeinträchtigung der sozialen Funktionsfähigkeit assoziiert seien (Grover & Avasthi, 2019).

Des Weiteren gehören Depressionen zu den größten Risikofaktoren für Suizid im Kindes- und Jugendalter (Renaud et al., 2008). Bedauerlicherweise bleibe ein erheblicher Anteil der depressiven Störungen bei Kindern unbehandelt (Charles & Fazeli, 2017; Grover & Avasthi, 2019). Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, sensibel auf Anzeichen von Depressionen bei Kindern zu achten und reagieren. 

3. Wie äußern sich Depressionen bei Kindern? 

Die Studie von Kim und Kollegen (2021) verfolgte das Ziel, die Hauptmerkmale von Depressionen bei Schulkindern im Alter von 6 bis 12 Jahren (N=10.233) zu identifizieren. Die zentralsten Symptome, die identifiziert wurden, umfassten Einsamkeit, Selbsthass, Abneigung gegenüber der Schule und ein geringes Selbstwertgefühl. Eine Langzeitstudie von McGrath & Repetti (2002) ergab zudem, dass selbstberichtete depressive Symptome bei Schülern der 4.-6. Klasse mit einem negativeren Selbstbild der Kinder und einer Unterschätzung ihrer eigenen akademischen Fähigkeiten einhergingen.  

Zusätzlich könnten weitere Symptome, wenn sie (fast) täglich und in Kombination zueinander auftreten, auf eine Depression hindeuten, zum Beispiel Gereiztheit, vermindertes Interesse oder Freude an Aktivitäten, Schlaflosigkeit, verringerte Konzentrationsfähigkeit, Veränderungen im Gewicht oder psychomotorische Verlangsamung (Son & Kirchner, 2000).

4. Freddy und die schwarzen Wolken

Das Buch „Freddy und die schwarzen Wolken“ nähert sich auf spielerische und unterhaltsame Weise den komplexen Gefühlen, die mit Depressionen einhergehen. 

Es erzählt die Geschichte des jungen Protagonisten, Friedhelm Polhuhn, genannt Freddy, der im ersten Teil dieser Reihe das erste Mal mit psychischen Erkrankungen in Berührung kommt. Freddy hat zwei beste Freunde, Steven und Anton. Die Mutter von Steven beginnt aufgrund von Depressionen eine ambulante Behandlung bei Freddys Vater, welcher als niedergelassener Verhaltenstherapeut arbeitet.  Dieses Buch trägt auf gelassene und einfühlsame Weise dazu bei das Stigma um Depressionen abzubauen und Aufklärung zu betreiben. Es verwendet kindgerechte Sprache und ansprechende Illustrationen, um die Thematik auf eine zugängliche Weise zu vermitteln.

5. Fazit

Auch im Kindesalter können psychische Erkrankungen wie Depressionen auftreten, und es ist von entscheidender Bedeutung, diese frühzeitig zu erkennen und angemessen zu behandeln. Der MoonWalker Verlag hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern die notwendigen Werkzeuge und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um psychische Herausforderungen zu bewältigen. 

Durch die Verwendung einer kindgerechten und unterhaltsamen Sprache strebt „Freddy und die schwarzen Wolken“ an, eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der sich Kinder mit den Charakteren identifizieren können. Auf diese Weise trägt das Buch dazu bei, das Bewusstsein und Sensibilisierung für psychische Gesundheit zu schärfen.

Literatur

Charles, J., & Fazeli, M. (2017). Depression in children. Australian Family Physician, 46(12), 901–907. https://search.informit.org/doi/10.3316/informit.299126478614605

Crnic, K., Lin, B. (2021). Depression in Children’s Lives: Cambridge University Press.

Gotlib, I. H., & Hammen, C. L. (2009). Handbook of Depression: Second Edition. Guilford Press. 

Grover, S., & Avasthi, A. (2019). Clinical practice guidelines for the management of depression in children and adolescents. Indian Journal of Psychiatry, 61(8), 226. https://doi.org/10.4103/psychiatry.indianjpsychiatry_563_18 

Kim, D., Kwon, H.-J., Ha, M., Lim, M. H., & Kim, K. M. (2021). Network analysis for the symptom of depression with children’s depression inventory in a large sample of school-aged children. Journal of Affective Disorders, 281, 256–263. https://doi.org/10.1016/j.jad.2020.12.002 

Ludwig-Walz, H., Dannheim, I., Pfadenhauer, L. M., Fegert, J. M., & Bujard, M. (2022). Increase of depression among children and adolescents after the onset of the COVID-19 pandemic in Europe: A systematic review and meta-analysis. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 16(1). https://doi.org/10.1186/s13034-022-00546-y 

McGrath, E. P., & Repetti, R. L. (2002). A longitudinal study of children’s depressive symptoms, self-perceptions, and cognitive distortions about the self. Journal of Abnormal Psychology, 111(1), 77–87. https://doi.org/10.1037/0021-843x.111.1.77 

O’Reilly, M., Svirydzenka, N., Adams, S., & Dogra, N. (2018). Review of Mental Health Promotion Interventions in Schools. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 53(7), 647–662. https://doi.org/10.1007/s00127-018-1530-1 

Renaud, J., Berlim, M. T., McGirr, A., Tousignant, M., & Turecki, G. (2008). Current psychiatric morbidity, aggression/impulsivity, and personality dimensions in child and adolescent suicide: A case-control study. Journal of Affective Disorders, 105(1–3), 221–228. https://doi.org/10.1016/j.jad.2007.05.013 

Selph, S. S., & McDonagh, M. S. (2019). Depression in children and adolescents: Evaluation and treatment. American family physician, 100(10), 609-617.

Son, S. E., & Kirchner, J. T. (2000). Depression in children and adolescents. American family physician, 62(10), 2297-2308.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar